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Ein Tag in Amsterdam

 Sonntag, 19. Mai 2002
  veröffentlicht in Fotos, Niederlande, Unterwegs

Zur Zeit dieser Reise wohnte ich in Osnabrück und so lag es auf der Hand, einmal einen Ausflug in die nahegelegenen Niederlande zu machen. So haben wir uns für einen Tagesausflug nach Amsterdam entschieden und nutzen Osnabrück als Ausgangsort. Amsterdam verspricht mit seiner Architektur und seinem besonderen Flair als Kulturmetropole eine Reise wert zu sein.

Amsterdam
Amsterdam

Am Pfingstsonntag um 7:00 Uhr geht es dann los und wir legen zügig die rund 240 Kilometer zurück. Das Wetter ist wechselhaft mit sonnigen Abschnitten und die wirklich sehr flache Landschaft der Niederlande begleitet uns bis vor die Tore Amsterdams. Als wir gegen 9:15 Uhr die Innenstadt erreicht haben, sind die Straßen noch angenehm leer. Um uns eine lange Parkplatzsuche zu ersparen, stellen wir das Auto im Parkhaus Waterlooplein am Musiktheater im Süden der Altstadt ab. Den Aushang mit der Gebühr von 2,50 EUR pro Stunde sehen wir erst, als wir schon eingeparkt haben. Um keine Zeit zu verlieren beginnen wir dann aber unseren Stadtrundgang.

Hausboote
Hausboote

Ein Fahrrad draf nicht fehlen
Ein Fahrrad draf nicht fehlen

Kaum aus dem Parkhaus, zeigen sich die ersten Hausboote, die hier an der Binnen Amstel festgemacht haben. Haus- und Wohnboote sind typisch für Amsterdam. Etwa 2500 Boote liegen an den Grachten und Kanälen, sowie am Ufer der Amstel. Viele Boote sind gepflegt und aufwendig restauriert, einige aber auch schon ein wenig verfallen. Entstanden ist das Hausbootphänomen nach dem Zweiten Weltkrieg, wo Wohnraum in Amsterdam knapp war. Heute werden die Boote von Individualisten und zunehmend auch von wohlhabenden Bürgern bewohnt, bei denen die Wohnboote zur Zeit im Trend liegen.

Wir überqueren die mit Kaiserkronen verzierte Blauwbrug (Blaue Brücke), die den Pariser Seinebrücken nachempfunden ist. Gleich dahinter ist auch die Magere Brug (Magere Brücke) zu sehen – die wohl berühmteste Brücke Amsterdams. Sie ist 300 Jahre alt und aus Holz gefertigt. Der Zugmechanismus wird noch heute von Hand bedient.

Kronen der Blauwbrug
Kronen der Blauwbrug

Kronen der Blauwbrug
Magere Brug

Wir haben uns vorgenommen einen Sparziergang durch die Innenstadt mit einer Grachtenrundfahrt zu kombinieren, um so den alten Stadtkern von Amsterdams kennen zu lernen. Zunächst geht es durch die Fußgängerzone in Richtung Norden zum Dam, einem der zentralen Plätze der Stadt. Hier steht das Koninklijk Paleis, der königliche Palast aus dem 17. Jahrhundert. Vor dem prächtigen Gebäude findet gerade einer der für Amsterdam so typischen Flohmärkte statt – in diesem Fall ein Büchermarkt. Am Dam steht auch Amsterdams größtes Kaufhaus – das renommierte Bijenkorf. Aber es ist Sonntagmorgen und so bleibt uns nur der Blick auf die stimmig gestalteten Schaufenster.

Koninklijk Paleis
Koninklijk Paleis

Koninklijk Paleis
Schaufenster von Bijenkorf

Schließlich erreichen wir die Centraal Station, den Hauptbahnhof am Nordrand der Altstadt. Auf dem Vorplatz des schönen und reich verzierten Bahnhofsgebäudes herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Gleich gegenüber ist der der Schiffsanleger, von wo aus die Grachtenboote ihre Rundfahrten starten.

Centraal Station
Centraal Station

Detail der Fassade
Detail der Fassade

Wir haben uns für eine Fahrt mit dem Museumsboot entschieden. Die Museumsboote verkehren im Abstand von jeweils 30 Minuten zwischen sieben Haltestellen auf ihrer Route rund um das keisförmige historische Zentrum von Amsterdam. Man kann mit dem Fahrschein die Boote den ganzen Tag benutzen und an den Haltestellen ein- und aussteigen. Eine Haltestelle ist der Museumplein mit den berühmten Amsterdamer Museen – daher der Name Museumsboot.

Im Grachtenboot
Im Grachtenboot

Häuser der Prinsengracht
Häuser der Prinsengracht

Die Grachtenboote sind extrem flach gebaut, so daß sie die schmalen Brücken der Grachten passieren können. Zunächst geht es durch die schönste der drei Hauptgrachten: die Prinsengracht. Das Grachtensystem, was heute das Amsterdamer Stadtbild prägt, entstand zwischen 1612 und 1663. Die prächtigen Gebäude an den Grachten wurden auf Holzpfählen errichtet und verfügen alle über individuelle Giebel (zumeist Treppen- oder Schneckengiebel).

Da sich einst die Steuer nach der Breite der Häuser zur Gracht hin berechnete, sind die meisten Gebäude sehr schmal gehalten. Um trotzdem sperrige Güter in die oberen Etagen bringen zu können, sind an den Giebeln Takelbalken angebracht, mit Hilfe derer die Gegenstände per Seilzug befördert werden können. Das Grachtensystem besteht aus insgesamt 70 Inseln und rund 1200 Brücken überspannen die Kanäle.

Takelbalken
Takelbalken

Hausboote
Hausboote

Langsam gleitet unser Boot über die Prinsengracht. Es geht vorbei an historischen Giebeln und liebevoll gestalteten Hausbooten. Bäume säumen die Uferstraßen. Die Szenerie strahlt eine große Ruhe und Harmonie aus. Von der Prinsengracht aus geht es dann über die Leidsegracht und die Singelgracht zur Haltestelle Museumplein (Museumsplatz).

Hier steigen wir aus. Am Museumplein sind drei bedeutende Museen der Niederlande gelegen: das Rijksmuseum (Nationalmuseum), das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum. Zunächst kommen wir zum Rijksmuseum, welches die größte Kunstsammlung der Niederlande beherbergt. Aber auch von außen beeindruckt das 1885 erbaute Gebäude mit seiner üppig verzierten Fassade, welche dem Hauptbahnhof stark ähnelt.

Rijksmuseum
Rijksmuseum

Detail der Fassade
Detail der Fassade

Da sich das Wetter gebessert hat und nun sogar die Sonne scheint, beschließen wir jedoch die Museumsbesuche auf ein anders Mal zu verschieben und lieber weiter die Stadt zu erkunden. Zunächst gehen wir die Museumstraat, deren Anfang vom Rijksmuseum überbaut ist, hinunter. Hier herrscht reges Treiben – für einen ruhigen Besuch der Museen empfiehlt sich eher ein Werktag im Winter oder Herbst.

Der weitläufige Museumplein, auf dem 1883 die Weltausstellung stattfand, wurde erst 1999 neu gestaltet. Vor dem Rijksmuseum errichtete man eine große Wasserfläche und verbannte die Autos in eine Tiefgarage. Nach einer kurzen Rast gehen wir über die weitläufige Rasenfläche des Platzes und kommen am ebenfalls 1999 fertiggestellten avantgardistischen Anbaus des Van Gogh Museums vorbei.

In unmittelbarer Nähe des Museumplein liegt der Vondelpark. Der 45 ha große Park entstand im 19. Jahrhundert, benannt nach dem Renaissancedichter Joost van den Vondel. Stilvoll wechseln sich Baumbestände Teiche und Rasenflächen ab und erinnern an einen englischen Garten. Leider werden einige der Teiche gerade erneuert und sind noch Baustelle. Der Vondelpark ist vor allem bei den jungen Amsterdamern ein beliebtes Ausflugsziel zum Fahrradfahren, Inlineskaten und Joggen.

Van Gogh Museum
Van Gogh Museum

Vondelpark
Vondelpark

Nach einem kurzen Spaziergang verlassen wir dann auch wieder den Vondelpark und setzen um 13:30 Uhr unsere Fahrt mit dem Museumsboot fort. Noch einmal genießen wir die ruhige Fahrt durch die Grachten vorbei an Hausbooten und historischen Gebäuden. Unser Boot fährt durch die Magere Brug, Amsterdams berühmteste Brücke, die wir ja schon von der Straße aus gesehen haben.

Brücken über die Grachten
Brücken über die Grachten

Magere Brug
Magere Brug

An der Haltestelle Centraal Station verlassen wir das Museumsboot und gehen weiter zu Fuß durch die Innenstadt, in der nun quirliges Treiben herrscht. Die Restaurants und Cafés haben nun geöffnet und die Menschen sitzen an der frischen Luft. Das Amsterdam eine durch Einwanderer geprägte multikulturelle Stadt ist, sieht man sogleich an den Menschen verschiedenster Kulturen und Hautfarben, die an diesem sonnigen Nachmittag in den Fußgängerzonen unterwegs sind.

Wir gehen indes weiter zur Prinsengracht. Vor dem an der Gracht gelegenen Anne-Frank-Haus hat sich eine sehr lange Schlange gebildet, so daß wir auf eine Besichtigung
verzichten. Am Ufer der Prinsengracht bieten sich immer wieder neue Perspektiven und Eindrücke. Kein Haus und kein Giebel gleicht dem anderen. Die verschiedensten Boote passieren die Gracht und ein Blick in die Nebenkanäle bietet interessante Perspektiven. Wir verweilen einige Zeit auf einer Bank an der Gracht.

Kleine Nebengracht
Kleine Nebengracht

Prinsengracht
Prinsengracht

Der Tag neigt sich nun langsam dem Ende zu und zu guter letzt steht der Begijnhofauf unserem Programm. Der Begijnhof ist ein im Herzen des historischen Stadtzentrums gelegener mittelalterlicher Innenhof. Wir brauchen einige Zeit bis wir den Hof gefunden haben, der ein wenig versteckt in einer Seitengasse der Gedemepte Begijnensloot gelegen ist. Der Begijnhof wurde im Jahr 1346 gegründet und diente als Konvent für Laienschwestern und später als Spital. Heute sind die Wohnungen an ältere Frauen und Studentinnen vermietet.

Wir betreten den Begijnhof und gelangen mitten in der Stadt in eine Oase der Ruhe. 47 aufwendig renovierte mittelalterliche Gebäude reihen sich um den von Bäumen beschatteten und von einer Rasenfläche begrünten Hof. Eine kleine englische Kirche komplettiert dieses Kleinod. Obwohl von vielen Touristen besucht, spüren wir die Idylle, die der Begijnhof ausstrahlt.

Begijnhof
Begijnhof

Kirche des Begijnhof
Kirche des Begijnhof

Gegen 17:00 Uhr gehen wir langsam durch die Fußgängerzonen der Innenstadt zurück zum Parkhaus am Waterlooplein. Ein schöner, aber auch anstrengender Tagesausflug nach Amsterdam geht so zu Ende. Wir nehmen uns jedoch fest vor, Amsterdam im Winter ein weiteres Mal zu besuchen, um die Museen zu besichtigen.

< Tags: Reisebericht, Tagesreise, Holland, Nordholland >

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