Abonnieren

RSS-Feed Artikel Artikel RSS-Feed Kommentare Kommentare

Suche

Rubriken

Archiv

Reisebericht Gardasee 2001: 10. Tag – Schiffahrt – Limone – Garda

 Donnerstag, 2. August 2001
  veröffentlicht in Fotos, Gardasee, Italien, Unterwegs

Übersicht:
1. Tag: Anreise Teil 1
2. Tag: Anreise Teil 2
3. Tag: Malcesine – Castelletto di Brenzone
4. Tag: Pieve – Riva – Wasserfall von Varone
5. Tag: Trento
6. Tag: Albisano – Monte Baldo – Bardolino
7. Tag: Lévico Terme – Caldonazzo See – Gardaland
8. Tag: Mincio – Borghetto – Parco Giardino Sigurtà
9. Tag: Torri del Benaco – Sirmione – Bardolino
10. Tag: Schiffahrt – Limone – Garda
11./12. Tag: Maderno – Salo – Desenzano – Abreise

Bei einem Aufenthalt am Gardasee empfiehlt es sich wenigstens einmal die Landschaft des Sees auch vom Schiff aus betrachtet zu haben. Dies ist nun wirklich kein Problem, denn in den Sommermonaten verkehren in regelmäßigen Abständen die Linienschiffe der staatlichen „Navigazione sul Lago di Garda“ und verbinden so alle wichtigen Orte des Sees miteinander. Die meisten Routen werden mehrmals täglich befahren, so daß es keine Schwierigkeit ist, sich so einen Tagesausflug per Schiff zusammen zu stellen.

Gardasee   Gardasee
in Torri del Benaco / Fahrkarten

Auch kann man so Zeit und Geduld sparen, denn es ist allemal angenehmer sich auf einem der Linienboote den Wind um die Nase wehen zu lassen, als in großer Wärme auf der dicht befahrenen Uferstraße Gardesana unterwegs zu sein.

Nun wollen wir heute eine solche Bootsfahrt machen und bei dieser Gelegenheit den Ort Limone am gegenüberliegenden Westufer besichtigen. Von unserem, in der Gemeinde Brenzone gelegenem, Hotel fahren wir zunächst mit dem Auto wenige Kilometer südlich bis Torri del Benaco. Wir haben noch etwa eine Stunde Zeit, bis um 10 Uhr das Schiff ankommen wird.

So nutzen wir die Zeit sinnvoll und machen einen Bummel durch den noch etwas verschlafenen Ort. In der Nähe des Bootsanlegers lädt eine schattige Bank zum Verweilen ein. Die Sonne, die über die Gipfel des östlichen Monte Baldo Massivs gestiegen ist, leuchtet nun die Felsen des Westufers an. Über die sanften Wellen des Gardasees blicken wir schräg zur Promenade herüber, wo bereits einige Einheimische und Touristen unterwegs sind.

Gardasee   Gardasee
am Bootsanleger / Schiff legt an

Bevor das Schiff abfährt, kommt der Fahrkartenverkäufer mit seinem Fahrrad an die Anlegestelle geradelt und baut einen Koffer auf, aus dem heraus er die Karten verkauft. Wir kaufen gleich die Tickets für Hin- und Rückfahrt. Die Fahrpläne sind glücklicherweise gut und übersichtlich gestaltet. Nach Limone wird uns ein normales Schiff bringen und für den Rückweg werden wir eines der Schnellboote nehmen.

Das Schiff kommt und wir gehen an Bord der „Brescia“. Die Brescia ist eigentlich eine Fähre, wird auf dieser Strecke aber als normales Personenschiff genutzt. Auf dem oberen Personendeck ist es sehr voll und man ist unerbittlich der Sonne ausgesetzt. So bleiben wir unten auf der Autoladefläche. Auch hier gibt es einige Sitzgelegenheiten und die Aussicht ist besonders gut, da es problemlos möglich ist von einer Seite des Schiffs auf die andere zu gehen.

Gardasee   Gardasee
Ostufer / Häuser von Brenzone

Zunächst fährt die Brescia am Ostufer entlang und steuert die kleinen Häfen der Gemeinde Brenzone an. Auch an unserem Hotel kommen wir vorbei. Vor uns liegt, vom Wasser aus nun gut sichtbar, das langgezogene Massiv des Monte Baldo. Nicht nur die Orte direkt am Ufer können wir erkennen. Nun sind auch die Siedlungen am Hang zu sehen, die sonst, versteckt zwischen den Olivenbäumen,  vom Land aus nicht auszumachen sind.

Gardasee   Gardasee
Monte Baldo Massiv / Dorf am Hang

Deutlich ist der unterschiedliche Baumbewuchs der Hänge zu sehen. Im unteren, vom Menschen kultivierten Bereich, erstrecken sich die Olivenbäume, die einst die Römer an den Gardasee brachten. Weiter oben dann bedecken Laubwälder die Hänge des Monte Baldo Massivs.

Die Brescia erreicht den Hafen von Castelletto di Brenzone. Die in Okker- und Rottönen gehaltenen Häuser reihen sich entlang des Ufers. Vor dem schönen Hafen macht das Schiff kurz fest. Die vormittägliche Sonne steht nun schräg in südwestlicher Richtung, so daß die hoch gelegenen Hänge des Monte Baldo in einem leicht diffusen Gegenlicht erscheinen.

Es geht weiter in Richtung Norden und wir näheren uns Malcesine. Der Monte Baldo steigt hier immer weiter an, bis er schließlich eine Gipfelhöhe von 2200 Metern erreicht. Die grünen Hänge werden nun immer wieder von Schluchten geteilt.  Zusammen mit dem Dunst, der die hohen Hänge umgibt, wirkt das Bergmassiv ein wenig verwunschen.

Gardasee   Gardasee
Castelletto di Brenzone / Schluchten

Auf der anderen Seite des Sees hingegen liegen die großen, massiven Felswände, die steil in den See abfallen. Vom Schiff aus ein bemerkenswerter Kontrast, denn der Gardasee ist hier kaum mehr als 3 km breit. Wir können die über den Felsen gelegene Siedlung Pieve erkennen. 400 m tiefer am Ufer sind die Galerien der in den Fels gehauenen Uferstraße Gardesana zu sehen, deren Dimensionen erst jetzt richtig deutlich werden.

Nun kommen wir aber erst einmal an Malcesine vorbei, dessen Hafen die Brescia kurz anläuft. Zypressen reihen sind am Ufer südlich von Malcesine entlang. Ein sehr schönes Bild. Am Hafen von Malcesine ist es ziemlich voll und hier steigen die meisten Passagiere zu. Zumeist sind es Touristen, die wohl auch nach Limone oder vielleicht Riva und Torbole ganz im Norden des Sees wollen.

Gardasee   Gardasee
Felsen des Westufers / Zypressen bei Malcesine

Die Scaligerburg von Malcesine, die schon selbst vom Ort aus einen imposanten Eindruck macht, thront nun geradezu majestätisch auf ihrem Felsen. Kein Wunder, daß Malcesine mit seiner Burg zu einem der beliebtesten Fotomotive am ganzen Gardasee zählt.

Gardasee   Gardasee
Scaligerburg von Malcesine / Norden des Seess

Die Brescia ändert nun ihren Kurs und fährt jetzt quer über den See zum gegenüberliegenden Ufer. Irgendwo hier muß auch die imaginäre Linie verlaufen, die die nördliche Spitze des Gardasees zum Tabu für private Motorboote macht. Hier beginnt das mit zuverlässigen Winden gesegnete Revier der Surfer und Segler, die besonders gerne nach Riva und vor allem aber Torbole kommen. Vom Schiff aus können wir im Dunst den Monte Brione erkennen. Dieser markante Felsen trennt Riva und Torbole voneinander.

Wir näheren uns immer weiter Limone. Überragt wird der Ort von einer mächtigen Felswand, an deren unterem Saum sich Limone schmiegt. Schon aus der Ferne sind die Überreste der Limonaien (Zitronengewächshäuser) zu erkennen.

Gardasee   Gardasee
Anfahrt auf Limone / Ruine einer Limonaie

Limone verfügte einst für die größten Anbaukapazitäten dieser Art am Gardasee und die Ufer des Sees waren das nördlichste Anbaugebiet für Zitrusfrüchte in ganz Europa. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts  ging es dann mit dem Zitrusfruchtanbau am Gardasee aus wirtschaftlichen wie politischen Gründen bergab. Seit 1930 werden keine Zitrusfrüchte mehr kommerziell angebaut.

Heute sind leider nur noch die verwilderten und verfallenen Terrassenanlagen mit ihren vielen Stützsäulen zu sehen. Die Säulen dienten dazu, die komplette Anbaufläche im Winter zu überdachen und so die empfindlichen Pflanzen vor Frost und Kälte zu schützen. Vom Schiff aus haben wir eine wirklich schöne Aussicht auf Limone. Dann legt die Brescia auch schon an und wir verlassen das Schiff.

Zunächst halten wir uns am Hafen auf. Die Häuser schmiegen sich dicht an die Felswand, die sogleich steil empor steigt. Der Ort zieht sich auf dem schmalen Streifen zwischen Fels und See entlang. Das Grau der Felsen und mittelalterlichen Häuser der Altstadt bildet einen eindrucksvollen Kontrast zur Wasserfläche des Gardasees.

Gardasee
Panoramabild »Limone«

Gardasee   Gardasee
Hafen von Limone / Felsen über dem Ort

Zahlreiche Häuser sind mit farbenprächtigen Blumen verziert. Aber der Zauber des ersten positiven Eindrucks ist leider bald verflogen, denn Limone ist wohl der touristisch überlaufenste Ort des ganzen Sees. Dicht an dicht schieben sich die Menschen durch die kleinen Gassen. Der Andrang hat leider dazu geführt, daß unzählige Souvenirshops, Restaurants und andere Geschäfte entstanden sind, die sich voll und ganz auf das zumeist deutsche Publikum „spezialisiert“ haben. So hat der eigentlich sehr schöne Ort viel von seinem Zauber verloren.

Gardasee   Gardasee
zitronige Souvenirs / Blick vom Restaurant

Auffällig ist, daß die Zitrone als das Markenzeichen von Limone vermarktet wird, obwohl Limone vom lateinischen Wort „Limes“ (Grenze) her kommt und die schöne Altstadt und die Lage des Ortes Grund für den Besuch sind. Nichtsdestotrotz finden sich überall Zitronen: auf Tellern, Kacheln, T-Shirts, usw.

In einem Restaurant direkt am Wasser essen wir dann eine Kleinigkeit. Die Qualität des Essens ist zwar nur mittelmäßig, dafür haben wir eine makellose Aussicht auf den See und können die Schiffe, die den Hafen ansteuern, beobachten.

Durch die schönen, verwinkelten Gassen, die zwischen den mittelalterlichen Häusern entlang führen, gehen wir weiter. Immer wieder lassen sich schöne Ecken und Winkel entdecken. Über die Via Nova verlassen wir das unmittelbare Zentrum Limones. Die von Mauern und Hauswänden begrenzte Straße führt steil zur Kirche San Rocco herauf, die leider geschlossen ist.

Gardasee   Gardasee
kleine Gasse / Haus mit Blütenpracht

Um noch zur entgegengesetzten Seite der Altstadt zu Laufen, wo sich die großen verfallenen Limonaien befinden, bleibt leider keine Zeit mehr, denn wir müssen zurück zum Bootsanleger. Der Besuch von Limone hat sich aber alles in allem gelohnt. Vor allem die Anfahrt mit dem Schiff und die spannende Lage des Ortes am Fuße der Felsen haben uns gut gefallen.

Mittlerweile ist es Nachmittag und das Schnellboot, eine Art Katamaran, bringt uns zurück. Mit den Schnellbooten können die Distanzen auf dem Wasser im Vergleich zu herkömmlichen Booten etwa in der Hälfte der Zeit bewältigt werden. Neben den Katamaran ähnlichen Booten kommen auch noch Flügelboote auf dem Gardasee zum Einsatz.

Gardasee   Gardasee
das Schnellboot läuft ein / svolle Kraft voraus

Die Beschleunigung des Bootes ist enorm. Die beiden Antriebe verursachen einen mächtigen Wasserschwall am Heck und die spezielle Bauweise mit den zwei Kufen trägt das ihrige zur Geschwindigkeit bei. Auch wenn zum Betrachten der schönen Gardaseelandschaft diese Art der Fortbewegung nur bedingt geeignet ist, so können doch so problemlos größere Strecken auf dem Wasser zurückgelegt werden.

Nach unserer Ankunft in Torri del Benaco fahren wir zunächst zurück ins Hotel nach Brenzone. Nach dem Abendessen brechen wir dann erneut auf. Unser Ziel ist das abendliche Garda. Wieder einmal ziehen uns die adrett beleuchteten Gassen eines Gardaseestädtchens in seinen Bann. Das Thermometer zeigt noch immer über 30 °C. Im Halbdunkel des Hafens liegen die Fischerboote. Vor den alten Palazzi an der Uferpromenade haben die Restaurants und Bars ihre Stühle und Tische aufgestellt.

Gardasee   Gardasee
Palazzo in Garda / Uferpromenade

Auch wir lassen mit einem Drink an der Uferpromenade den Abend ausklingen und gehen durch die kleinen Gassen zurück zum Parkplatz an der Hauptstraße. Hier und da unterhalten Musiker die Gäste der Bars.

<< 9. Tag | 11./12. Tag >>

nach oben

Kommentar schreiben

Name

Website (freiwillig)

E-Mail (freiwillig)

nach oben