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Reisebericht Gardasee 2001: 9. Tag – Torri del Benaco – Sirmione – Bardolino
Mittwoch, 1. August 2001
veröffentlicht in Fotos, Gardasee, Italien, Unterwegs
Übersicht:
1. Tag: Anreise Teil 1
2. Tag: Anreise Teil 2
3. Tag: Malcesine – Castelletto di Brenzone
4. Tag: Pieve – Riva – Wasserfall von Varone
5. Tag: Trento
6. Tag: Albisano – Monte Baldo – Bardolino
7. Tag: Lévico Terme – Caldonazzo See – Gardaland
8. Tag: Mincio – Borghetto – Parco Giardino Sigurtà
9. Tag: Torri del Benaco – Sirmione – Bardolino
10. Tag: Schiffahrt – Limone – Garda
11./12. Tag: Maderno – Salo – Desenzano – Abreise
Wie auch am Tag zuvor fahren wir heute in südlicher Richtung. Unser Ziel ist die Halbinsel Sirmione ganz im Süden des Sees. Zunächst machen wir jedoch noch einen Zwischenstop in Torri del Benaco.
Wie am gestrigen Abend, so hat Torri del Benaco auch in der Morgensonne nichts von seiner Schönheit verloren. Das kleine, halbrunde Hafenbecken ist weit in den Ort eingeschnitten. Viele bunte Fischerboote sind hier festgemacht. Am Hafen befindet sich auch das schon 1452 errichtete Traditionshotel „Albergo Gardesana“. Der größte Blickfang ist jedoch die prächtige Scaligerburg.

Panoramabild »Hafen von Torri del Beanco«
Wir halten uns kurz am Hafen auf. Die bunten Fischerboote liegen dicht nebeneinander und die Sonne scheint auf die Felsen des gegenüberliegenden Ufers. Zusammen mit den alten Häusern am Kopf des Hafens und der am Eingang der Fußgängerzone gelegenen kleinen Kirche entsteht ein sehr harmonisches Bild. Da wir gewissermaßen nur auf der „Durchreise“ sind, beschränken wir uns auf die Besichtigung der Scaligerburg.

Scaligerburg / Hafen
Die Burg stammt aus dem Jahr 1383. Die markanten Schwalbenschwanzzinnen sind für die Burgen der Scaliger typisch. Die Anlage ist gut erhalten und beherbergt heute das sehenswerte „Museo del Castello Scaligero“, welches wir nun besichtigen.
Das Museum gewährt Einblicke in das traditionelle Leben am Gardasee. Fischerei und Landwirtschaft bestimmten seit jeher das Leben der Menschen am See. Zu sehen sind historische Gegenstände wie Werkzeuge, ein Fischerboot, eine Olivenölpresse und allerlei andere Dinge, die einem die Geschichte des Lebens und Arbeitens am Gardasee näher bringen.

Fischerboot / Werkzeuge
Die Ausstellung war wirklich interessant und wir gehen nun durch die der Burg angeschlossenen Limonaie, die 1760 nachträglich an die Burg angebaut wurde. Eine Limonaie ist ein Zitronengewächshaus, von dem es am Gardasee einst Tausende gab. Im Winter konnten die empfindlichen Früchte so vor den niedrigen Temperaturen geschützt werden. Heute werden am Gardasee keine Zitrusfrüchte mehr angebaut.
Einige der Limonaien sind jedoch erhalten geblieben und in dieser werden zu Demonstrationszwecken noch Früchte angebaut. Die Bäume reichen bis unter die Decke der Limonaie, die jetzt im Sommer offen ist und hängen bereits voll mit leuchtenden Zitronen und Orangen.
in der Limonaie / Zitrone
Wir gehen durch die angenehm duftenden Pflanzen weiter zur Mauer der Burg, die wir nun über schmale Treppen hinauf steigen. Oben geht es dann auf dem Wehrgang weiter. Die Größe der Schwalbenschwanzzinnen hat von weitem getäuscht, sie sind beachtlich groß.
auf dem Wehrgang / Blick herunter zum Hafen
Auf dem mittleren Turm angelangt haben wir schließlich eine wunderbare Aussicht auf Torri del Benaco und den See. Der Blick reicht über das Blau des Sees, bis schließlich der sommerliche Dunst die weitere Sicht versperrt. Wie lassen eine zeitlang die Aussicht auf uns wirken. Einige Film- und Fotoaufnahmen später beenden wir dann unseren kurzen Zwischenhalt und fahren weiter in südlicher Richtung.

Burgmauer und Limonaie / Torri del Benaco

Panoramabild »Aussicht von der Scaligerburg«
Die Halbinsel Sirmione ist unser Ziel. Zunächst fahren wir über Peschiera bis Colombare. Von dort aus führt die Straße dann in nördlicher Richtung nach Sirmione.
Wir haben das Ortsschild passiert und fahren nun eine 3 ½ km lange und sehr schmale Landzunge hinauf. Diese Landzunge ist bereits Teil der Halbinsel Sirmione, die ein etwa stecknadelförmiges Aussehen hat. An der Stelle, wo die Halbinsel dann breiter wird, befindet sich der Siedlungskern mit der historischen Altstadt und der Burg. Ingesamt mißt Sirmione von Nord bis Süd etwa 4 km. Es geht vorbei an Hotels, Läden und Grünflächen. Bäume säumen die Straße. Rechts und links zeigt sich dann auch schon gleich der Gardasee, dessen südlicher Bereich breit und flach ist und wie eine Meeresbucht wirkt.

Straße auf Sirmione / Promenade am Westufer
Sirmione ist eines der beliebtesten und bekanntesten Ausflugsziele des Gardasees. Wir haben es wohl den hohen Temperaturen zu verdanken, die heute erneut bis auf 37 °C steigen, daß sich der Andrang auf die „Perle des Garadsees“ angenehm in Grenzen hält. Vor dem Eingang zum Ortskern befinden sich groß angelegte kostenpflichtige Parkplätze, denn die historische Altstadt ist zum Glück autofreie Zone.
Der Ortskern wird nach Süden hin durch eine eindrucksvolle Scaligerburg begrenzt. Bevor wir jedoch die Altstadt betreten, entschließen wir uns eine Bootsfahrt um die Insel zu machen. An der Uferpromenade warten bereits die Kapitäne der kleinen Motorboote auf Kundschaft. Wir erkundigen uns noch nach dem Fahrpreis, der umgerechnet etwa 50 DM beträgt und dann geht es auch schon los.

Bootsfahrt / Sirmione vom See aus
In einem Halbkreis umrundet das Boot die Halbinsel. Es ist wirklich sehr angenehm, so durch die Fluten des Gardasees zu gleiten. Der freundliche Kapitän ist derweil redlich bemüht uns in gebrochenem Deutsch auf die Besonderheiten der Insel aufmerksam zu machen. Sirmione ist wirklich bildschön. Die verschachtelten mittelalterlichen Häuser der Altstadt bilden einen schönen Kontrast zu dem mit Zypressen und anderen Bäumen begrünten nördlichen Teil der Insel.
An Sirmiones nördlicher Spitze können wir deutlich die Überreste einer römischen Villa erkennen. Die unter dem Namen „Grotten des Catull“ bekannte Anlage werden wir später noch besichtigen.

Westufer / „Grotten des Catull“
Vor dem nördlichen Ostufer der Insel wird es schließlich spannend, denn hier steigt vom Grund des Gardasees die Boiola-Quelle auf. Die Quelle hat bei ihrem Austritt eine Temperatur von 70 °C. Bereits die Römer wußten von der Boiola und leiteten sie in Bleirohren an Land, um mit dem Quellwasser ihr Thermalbad zu speisen. Doch nach den Römern geriet die Quelle wieder in Vergessenheit. Erst 1889 wurde die Quelle schließlich wieder neu gefaßt und an Land geleitet. Da sie Schwefel, Brom und Jod enthält, hat sie eine heilende Wirkung und wird so zur Behandlung von Ohrenleiden und gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt.

Boiola-Quelle / Ostufer
Mit tagträumerischer Sicherheit findet der Kapitän so gleich die Stelle, wo die Quelle rund 300 m vor dem Ufer aus dem Grund des Gardasees tritt. Und tatsächlich, wir können deutlich erkennen, wie unzählige kleine Blasen aus der Tiefe empor steigen.
Wir setzen die Fahrt fort. Das Ufer hat sich deutlich gewandelt. Anstelle der begrünten Hänge des Westufers, ist das Ostufer Sirmiones durch steil abfallende weiße Felsen gekennzeichnet.
Wir näheren uns nun wieder der Altstadt von Sirmione und die prächtige Scaligerburg kommt in Sicht. Von der Seeseite aus erkennt man dann, daß es sich um eine Wasserburg handelt. Ein Wassergraben trennt die Burg vom Festland. Der zu der Burg gehörende Hafen, der heute nicht mehr genutzt wird, ist in die Festungsanlage integriert und von mit Zinnen bestückten Maueren umgeben.

Scaligerburg / befestigter Hafen
Unser Boot nimmt nun den Weg vorbei am befestigten alten Hafen und unter den beiden Zugbrücken hindurch, die die Burg mit dem Festland verbinden. Wollte man einst die Siedlung von Sirmione und den dahinter liegenden breiten Teil der Halbinsel erreichen, so mußte erst die mächtige Scaligerburg passiert werden. Da wir nun die Burg besichtigen wollten, setzt uns der Kapitän gleich hinter der Zugbrücke ab.
Die Scaligerburg ist wirklich beeindruckend. Dicht ineinander verschachtelt stehen die kleinen und großen Türme und Mauern. Die markanten Schwalbenschwanzzinnen verleihen der Burg einen mittelalterlichen Zauber. Dennoch läßt sich erahnen, daß es sich um eine Wehrburg aus unsicheren Zeiten handelt. Erbaut wurde die Scaligerburg von Sirmione 1250 und ist die am besten erhaltene des Gardasees.

Portal der Scaligerburg / Mauern mit Zinnen
Wir kaufen die Eintrittskarten und stehen wenig später im Innenhof. Der rechteckige Innenhof ist mit kleinen Steinen gepflastert und verfügt über einen Brunnen. Hier ist vom romantischen Zauber der Außenansicht nicht mehr viel übrig. Der kleine Hof wird an allen vier Seiten durch massive, sehr hohe Mauern begrenzt und wirkt so ziemlich beklemmend. In eine der Mauerecken ist für die Besucher der Neuzeit eine moderne und sichere Treppenkonstruktion eingebaut worden.

Innenhof der Burg / Aussicht vom Turm
Nach dem Aufstieg haben wir vom Wehrgang aus eine gute Aussicht. Nicht nur auf Sirmione, auch ein Blick ins Innere der Burg bietet interessante Eindrücke. Wir gehen nun auf dem schmalen Wehrgang hinter den Zinnen entlang und steigen schließlich auf den höchsten Turm der Burg. Er ist 34 Meter hoch und seinem Erbauer nach „Mastino“ genannt.
Die Sicht von dort aus ist beeindruckend. Richtung Süden ist die schmale Landzunge Sirmiones, die den See durchzieht, sehr gut zu erkennen. Im Westen sehen wir den neuen Hafen. Nach Norden hin reicht der Blick über die Altstadt zu dem üppig mit Zypressen, Steineichen und Oliven begrünten Hügel der Nordspitze der Halbinsel.

Panoramabild »befestigter Hafen«

Panoramabild »Süden von Sirmione«

Panoramabild »neuer Hafen«

Panoramabild »Altstadt und Norden«
Nach der Besichtigung verweilen wir kurz in einem Café, welches sich direkt gegenüber der Scaligerburg befindet. Ein kühles Getränk kann in der Mittagshitze nicht schaden.
Nun geht es in die engen Gassen der Altstadt. Zusammen mit vielen anderen Touristen schlendern wir langsam durch die Hauptstraße, die Via Vittorio Emanuele. Der komplette mittelalterliche Stadtkern ist autofrei. Nur vereinzelt zwängt sich ein Fahrzeug, was zu einem der Hotels gehört, durch die Menge der Fußgänger.

in der Altstadt / Haus mit Blütenpracht
Die Häuser der Altstadt sind wirklich sehr schön. Dicht drängen sich die alten Gebäude aneinander und einige sind mit herrlich blühenden Blumen verziert. Blickt man links in einige der Gassen hinein, so läßt sich der Gardasee ausmachen. Natürlich reihen sich in einem so viel besuchten Ortszentrum auch viele Geschäfte aneinander. Das Angebot reicht von billigem Touristenramsch bis hin zu hochwertigen Produkten.
Gleich hinter dem Ausgang der Altstadt liegt das neue Thermalbad von Sirmione. Hier können die Kurgäste von der heilenden Wirkung der Boiola-Quelle profitieren. Das an einem Park gelegene moderne Gebäude ist leider ausgesprochen häßlich.
Wir gehen nun weiter in nördlicher Richtung die Via Catullo hinauf. Die Straße steigt hier an, denn er geht den Hügel der Insel herauf. Nach einigen hundert Metern kommen wir am Eingang des fünf Sterne Hotels „Villa Cortine“ vorbei, einem der teuersten am ganzen Gardasee. Das höchsten Ansprüchen gerecht werdene Hotel legt Wert auf Diskretion und ist nur den Gästen zugänglich. Es ist ein einem Palast aus dem 19. Jahrhundert untergebracht, der von einem weitläufigen Garten umgeben ist. Gerade schiebt sich das schwere Eisentor automatisch zur Seite und eine Luxuskarosse rollt in die Park.

Eingang zur „Villa Cortine“ / Park der Villa
Schließlich erreichen wir unser Ziel, die „Grotten des Catull“, an der nördlichen Spitze der Halbinsel. Hierbei handelt es sich jedoch weder um Grotten, noch hat der römische Dichter Catull, der einst die Schönheit von Sirmione beschieb, damit etwas zu tun. Vielmehr sind die Grotten des Catull die Überreste einer privaten römischen Villa oder eines staatlichen römischen Gästehauses. Die Historiker sind sich in diesem Punkt nicht ganz sicher.

„Grotten des Catull“ / freigelegte Mauern
Die Hitze des Tages hat nun ihren Höhepunkt erreicht. Wir bezahlen den Eintritt und begeben uns auf das Areal der Ausgrabungsstätte. Die Anlage hat ein beeindruckendes Ausmaß von 20.000 m². Die Römer erbauten sie 150 n. Chr. Eine Besonderheit sind die mächtigen Säulen, mit denen der Höhenunterschied zum abfallenden Norden hin ausgeglichen worden war. Das Gebäude hatte somit mehrere Ebenen. Von der einst luxuriösen Anlage sind heute zwar nur noch einige Teile als Ruine zu sehen, aber die Archäologen haben umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt, Teile wieder freigelegt und einige ausgewählte Objekte zur besseren Veranschaulichung rekonstruiert.
Außerordentlich beeindruckend sind die mächtigen Maueren und Bögen im Norden, die einst die oberen Etagen getragen haben. Ein besonders schönes Motiv ist der 159 m lange Kryptoportikus – ein Säulengang, der einst überdacht war. So konnten die Gäste des Hauses bei Hitze oder Regen einen angenehmen Spaziergang machen. Einige der Säulen wurden rekonstruiert.

Kryptoportikus / Ostufer
Auch landschaftlich hat die Anlage ihren Reiz. Steil fallen im Osten die hellen Felsen zum Gardasee herab. Im Uferbereich bedecken große flache Kalkplatten den Grund, die sich nur knapp unter der Oberfläche befinden und das Wasser türkis schimmern lassen.
Der einstige Innenhof der Anlage ist heute von Olivenbäumen und Gräsern bewachsen. Um so überraschender erscheinen die freigelegten Flächen mit den römischen Mosaikfußböden, die nur wenige Zentimeter unter der Erde liegen. Auch die Überreste des alten Thermalbads, welches schon damals von der Boiola-Quelle gespeist wurde, können wir sehen.
Bevor wir dann die Grotten des Catull wieder verlassen, besuchen wir noch das dazu gehörende Museum. Hier sind besonders gut erhaltende und wertvolle Stücke ausgestellt. So gibt es Säulenfragmente, Mosaike, Münzen, Fresken und Keramiken zu bestaunen.

Mosaikfußboden / im Museum
Auf dem Rückweg zum Auto kaufen wir noch neue Getränke. Die Besichtigung in der großen Hitze hat durstig gemacht. Den Rest des Tages verbringen wir am Strand unseres Hotels und im kühlen Naß des Sees.
Nach dem Abendessen brechen wir erneut auf. Unser Ziel ist der südlich von Torri del Benaco gelegen Ort Bardolino. Am Sonntag hatten wir auf einem Plakat von dem heute stattfindenden Freiluftkonzert der „Philharmoniker Bardolino“ gelesen. In den Sommermonaten sollen diese Konzerte jeden Mittwoch stattfinden. Zunächst bummeln wir durch die schönen kleinen Gassen und halten uns eine Weile am Hafen auf, wo die Fischerboote im Halbdunkel vor sich hindümpeln.

Abends in Bardolino / am Hafen
Das Konzert findet auf der Piazza Mateotti vor der Kirche Santi Niccoló e Severo statt. Die neoklassizistische Kirche, die mit ihren vier schlanken, hohen Säulen wie ein Tempel wirkt, ist eine geradezu ideale Kulisse für ein solches Konzert.

Konzert vor der Kirche / Chor
Die von den Umliegenden Cafés aufgebauten Stühle sind schon belegt, so verfolgen wir das Konzert stehend, aber mit hervorragender Sicht. Hervorragend ist auch das Konzert selbst. Auch der Chor und seine Solistin überzeugen. Neben Stücken der klassischen Musik wird auch Modernes zum Besten gegeben. So geht auch dieser schöne Abend am Gardasee zu Ende. Nach dem Konzert kaufen wir noch eine CD der Philharmoniker Bardolino und fahren dann zurück zum Hotel.
Kommentar von Bernd
17. März 2009 um 08: 26
Hallo Mathias,
fand die interessanten Seite auf der Suche nach Infos Italien – wollen mal zum Gardasee.
Habe erst mal gelesen, geschaut … sehr sehr interessant.
Wenn es meine Zeit erlaubt – das Fotografieren und Weiterbearbeiten der Bilder -
es macht Freude.
Gruss
Bernd Richter
Hirschburg