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Reisebericht Gardasee 2001: 5. Tag – Trento
Samstag, 28. Juli 2001
veröffentlicht in Fotos, Gardasee, Italien, Unterwegs
Übersicht:
1. Tag: Anreise Teil 1
2. Tag: Anreise Teil 2
3. Tag: Malcesine – Castelletto di Brenzone
4. Tag: Pieve – Riva – Wasserfall von Varone
5. Tag: Trento
6. Tag: Albisano – Monte Baldo – Bardolino
7. Tag: Lévico Terme – Caldonazzo See – Gardaland
8. Tag: Mincio – Borghetto – Parco Giardino Sigurtà
9. Tag: Torri del Benaco – Sirmione – Bardolino
10. Tag: Schiffahrt – Limone – Garda
11./12. Tag: Maderno – Salo – Desenzano – Abreise
Heute entfernen wir uns vom Gardasee, um das 45 Kilometer nordöstlich gelegene Trento zu besuchen. Trento ist die Stadt Trient, die seit dem Friedensvertrag von St. Germain im Jahr 1919 ihren italienischen Namen trägt. Wir fahren zunächst über Torbole nach Rovereto und dann über die Super Strada 12 durch das Trentino. Die landschaftlich reizvolle Strecke verläuft parallel zur Etsch und führt durch ausgedehnte Felder mit Weinreben. Ab und zu tauchen zwischen den Feldern kleinere Dörfer auf.

Trentino / kleines Dorf
Wir erreichen Trento und nun beginnt mal wieder das leidige Thema der Parkplatzsuche. Auf den Stadtstraßen herrscht dichter Verkehr und so beschließen wir im großen Parkhaus in der Nähe des Bahnhofs zu halten. Dies schlägt sich zwar mit 800 Lire pro 20 Minuten zu Buche, ist dafür aber sehr zentral gelegen.
Es gibt ein Ereignis, welches die Bedeutung, aber auch die Architektur der Stadt entscheidend beeinflußte: das Konzil von Trient. Mit mehreren Unterbrechungen trafen sich hier von 1545 bis 1563 die hohen Würdenträger der Katholischen Kirche. Ziel der Versammlung war es, die Einheit der Kirche wieder herzustellen, die durch die Abspaltung der Protestanten während der Reformation zerfallen war. Man fand jedoch während der acht Jahre des Konzils keine Einigung. Die Gegenreformation folgte.
Für Trento hatte das Konzil jedoch positive Effekte. Die Stadt gewann an Bedeutung und wurde für diese Zeit zum geistigen Zentrum. Zahlreiche Kirchen und prunkvolle Paläste entstanden.

Paläste im Zentrum / Fassade mit Fresken
Auf dem Weg zur Altstadt kommen wir am Stadtpark vorbei und gelangen schließlich zur sehenswerten Via Belenzani.

Via Belenzani / Innenhof Palazzo Thun
An dieser historischen Prachtstraße, die nach Norden hin auf den Domplatz zuläuft, reihen sich punkvolle Paläste aneinander. Alle Gebäude wurden vor wenigen Jahren aufwendig restauriert und erstrahlen in neuem alten Glanz. Die Fassaden sind mit Fresken, Steinfiguren und Fensterbögen verziert. Der Palazzo Thun dient heute als Rathaus der Stadt Trento. In seinem Innenhof steht das Original der aus Marmor gefertigten Neptunfigur vom Brunnen des Domplatzes.

Piazza Dumo / Torre Civica
Wir betreten die Piazza Dumo. Der Domplatz ist der Mittelpunkt Trentos und beeindruckt uns zunächst durch seine Größe. Den ersten Blickfang bildet der barocke Neptunbrunnen in der Platzmitte. Das Wasser sprüht und plätschert neben den Figuren und verleiht der steinernen Piazza Dumo ein wenig Leben. Der große Dumo San Vigilio und der rechtwinklig angrenzende Palazzo Pretorio mit dem hohen Stadtturm Torre Civica bilden optisch eine Einheit und erscheinen zusammen noch größer und monumentaler.

Panoramabild »Piazza Dumo«
Der Dom wurde über mehrere Jahrhunderte immer wieder vergrößert und umgebaut und erst zum Konzil von Trient fertiggestellt. Zum Glück behielt man aber den ursprünglichen Baustil weitgehend bei, so daß sich der Dom heute als ein Meisterwerk der Romantik präsentiert.
Kleinere Paläste, die den Platz umgeben unterscheiden sich deutlich vom dem aus hellen großen Steinen gefertigten Dom. Sie sind in verschiedenen Farben gestrichen und mit Laubengängen verbunden. So wirkt der Platz nicht monoton und steril, sondern angenehm wohnlich.
Sehenswert sind noch die sog. Rella-Häuser an der Nordseite des Platzes. Die Gebäude, die wie auch die anderen Paläste von Lauben getragen werden, sind vollständig mit Fresken bemalt. Die prächtigen Fresken erzählen Geschichten und Allegorien, die der Bevölkerung einst Moral und Anstand vermitteln sollten. Leider hat die Fassade im Laufe der Zeit einige Blessuren davon getragen.

Rella-Häuser / Detail der Fresken
Cafés haben vor den Lauben einiger der Häuser ihre Tische und Sonnenschirme aufgestellt. Wir nehmen diese Gelegenheit gerne war und lassen uns an der Westseite des Platzes nieder. Ein bißchen Schatten und eine Erfrischung sind jetzt in der Mittagswärme genau das Richtige. Bei Brochetta und frischem Orangensaft genießen wir den Ausblick und die Atmosphäre des schönen Platzes. Nebenbei können wir noch beobachten, wie eine Hochzeitsgesellschaft vorbei kommt und sich das Brautpaar vor dem Neptunbrunnen fotografieren läßt. Erfreulich ist auch, daß die Preise des Cafés, obwohl am Domplatz gelegen, sehr moderat ausfallen.
Unser nächstes Ziel ist das Castello del Buonconsiglio am nordöstlichen Rand der Altstadt. Eigentlich wollen wir das Schloß über die mit Palästen gesäumte Via Manzi erreichen, aber die Straße ist wegen Restaurierungsarbeiten zu einem Großteil gesperrt. So nehmen wir einen anderen Weg durch die schöne und gepflegte Altstadt Trentos.

in der Fußgängerzone / Straße der Altstadt
Groß, langgestreckt und trutzig liegt es da, das Castello del Buonconsiglio. Das Schloß ist in mehreren Phasen entstanden und hat die mittelalterliche Stadtmauer in sich aufgenommen. Der mächtige Rundturm zeugt von einer unsicheren Zeit. Das Schloß war einst Sitz der mächtigen Fürstbischöfe von Trento und wurde für das Konzil erweitert und ausgebaut.

Castello del Buonconsiglio / Innenhof
Heute ist das Castello del Buonconsiglio ein Museum, welches wir nun besichtigen werden. Das Schloß zieht uns sogleich in seinen Bann. Die Räume, Treppenaufgänge und Kammern sind individuell gestaltet und reichhaltig verziert. Fresken, hölzerne Decken und Malereien schmücken die Räumlichkeiten. Die Farben reichen von Pastelltönen bis hin zu kräftigem Rot. Wir durchstreifen die verschiedenen Bereiche von fühlen uns sogleich in eine andere Zeit zurückversetzt. Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, daß die Kamera während der Besichtigung der Innenräume leider in der Tasche bleiben muß.
Nun folgt der Höhepunkt der Besichtigung. Wir werden den berühmten Freskenzyklus „Monatsbilder“ sehen. Hierzu müssen wir uns bei den Wärtern melden und den Wunsch einer Besichtigung äußern. Nach einer kurzen Wartezeit werden wir dann zusammen mit anderen Interessierten in den Adlerturm geführt. Die Monatsbilder sind der wertvollste Kunstschatz im Schloß und werden entsprechend behütet. Gleich hinter uns werden die Türen zum Durchgang wieder verschlossen. Eine Wärterin führt uns nun durch einen langen dunklen Gang zur anderen Seite des Schlosses. Es ist schon ein wenig unheimlich. Doch dann betreten wir den Adlerturm.
Die Fresken entstanden in den Jahren 1390 bis 1419. Der Fürstbischof Georg I. von Liechtenstein hatte sie in Auftrag gegeben. Die Fresken stellen das Leben der Adligen und des Volkes im Laufe der zwölf Jahreszeiten dar. Jeder Jahreszeit ist ein Fresko gewidmet. Nur das Monatsbild vom März wurde leider bei Umbauarbeiten zerstört. So sind es elf Monatsbilder, die durch ihre Farbintensität und Detailgenauigkeit beeindrucken. Die Darstellungen wirkten ausgesprochen lebendig. Wir betrachten fasziniert die einzelnen Bilder: die Bauern sind mit der Arbeit auf den Feldern beschäftigt, während die Adligen repräsentieren und sich vergnügen. Aus heutiger Sicht wirkt diese Selbstdarstellung des Adels schon fast ein wenig lächerlich.
Die Wärterin führt uns wieder zurück und wir besichtigen nun noch den Innenhof im ältesten Teil des Schlosses. Eine steinerne Treppe führt in die höheren Stockwerke. Auch hier sind die Wände mit bunten Fresken verziert. Von der venezianischen Loggia aus bietet sich uns ein guter Überblick über die Stadt mit den Bergen im Hintergrund.

venezianische Loggia / Fresko der Außenfassade

Ausblick vom Schloß / Rückfahrt durchs Trentino
Der Museumsbesuch hat sich wirklich gelohnt, da sind wir uns einig. Auf dem Rückweg zum Parkhaus machen wir noch an einem Eiscafé halt – Museumsbesuche können durstig machen. Wir fahren durch die schöne Landschaft des Trentino zurück zum Gardasse und sind pünktlich zum Abendessen am Hotel.
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