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Reisebericht Gardasee 2001: 4. Tag – Pieve – Riva – Wasserfall von Varone

 Freitag, 27. Juli 2001
  veröffentlicht in Fotos, Gardasee, Italien, Unterwegs

Übersicht:
1. Tag: Anreise Teil 1
2. Tag: Anreise Teil 2
3. Tag: Malcesine – Castelletto di Brenzone
4. Tag: Pieve – Riva – Wasserfall von Varone
5. Tag: Trento
6. Tag: Albisano – Monte Baldo – Bardolino
7. Tag: Lévico Terme – Caldonazzo See – Gardaland
8. Tag: Mincio – Borghetto – Parco Giardino Sigurtà
9. Tag: Torri del Benaco – Sirmione – Bardolino
10. Tag: Schiffahrt – Limone – Garda
11./12. Tag: Maderno – Salo – Desenzano – Abreise

Unser heutiger Ausflug bringt uns in den Norden und den nördlichen Westen des Gardasees. Zunächst fahren wir die Gardesana Orientale in Richtung Norden und passieren die beiden nördlichsten Orte des Gardasees Torbole und Riva. Dann geht es über die Straße des Westufers, die Gardesana Occidentale, auf der anderen Seite des Sees weiter in Richtung Süden. Kurz hinter Riva fahren wir dann gleich durch einen neu errichteten Tunnel. Dieser Tunnel wurde erst am 8. Juni dieses Jahres eröffnet. Ein Erdrutsch hatte die alte Strecke unpassierbar gemacht.

Gardasee   Gardasee
Gardesana Occidentale / Galerie

Nun reihen sich Tunnel und Galerien in kurzen Abständen aneinander. Zwischendurch bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf den See, der in der noch tief stehenden Morgensonne erstrahlt. Zypressen, Pinien, Oleander und Olivenbäume säumen den Straßenrand und schon folgt wieder der nächste Tunnel. Die schnell wechselnden Lichtverhältnisse, die dunklen Tunnel und die nicht sehr breite Fahrbahn fordern vom Fahrer volle Aufmerksamkeit. Der entspannte Genuß der Landschaft bleibt dem Beifahrer vorbehalten. Kein Genuß war wohl der Bau der Gardesana Occidentale: 2000 Arbeiter mußten dreißig Monate lang hart daran arbeiten. Erst 1931 wurde die Straße eröffnet, die mit Ihren 70 Tunneln auf nur 40 Kilometer Strecke damals eine Meisterleistung im Straßenbau darstellte. Solch ein Aufwand war nötig, denn viele der gewaltigen Felswände münden senkrecht in den See. Vor dem Bau der Gardesana Occidentale waren viele Orte nur vom See aus mit dem Schiff zu erreichen. Die Gardesana zählt heute zu den Traumstraßen der Welt.

Gardasee   Gardasee
Tunnel / Traumstraße Gardesana

Bei Limone biegen wir auf eine steil ansteigende Bergstraße ab. Die Straße klettert hinauf auf die Hochebene von Tremosine. Unser Ziel ist das zur Gemeinde Tremosine gehörende Dorf Pieve. Die Landschaft hat sich radikal verändert. Wähnten wir uns an der Gardesana noch irgendwo am Mittelmeer, so zeigt sich hier, daß wir uns doch in den Alpen befinden. Ausgedehnte Laubwälder mit Kastanien und Steineichen prägen nun das Bild.

Gardasee   Gardasee
Hochebene von Tremosine / Laubwald

Wir erreichen schließlich die Hochebene vom Tremosine und sind nun etwa 400 m über dem Meeresspiegel. Aufgrund der größeren Höhe und des Fehlens der Wasserfläche ist es hier oben wesentlich kühler als am See. Neben dem Laubwald breiten sich hier Almenwiesen aus. Auf der leicht hügeligen Hochebene liegen verstreut die 18 Dörfer, die zur Gemeinde Tremonsine gehören. Die Dörfer an denen wir vorbeikommen machen einen ruhigen, ja fast schon verschlafenen Eindruck. Massentourismus scheint es hier noch nicht zu geben, obwohl sich die Landschaft zum Wandern oder Mountainbiken anbietet.

Unser Ziel ist Pieve, der Hauptort von Tremosine. Pieve ist direkt am Felsrand gelegen, wo es fast senkrecht über 400 Meter in die Tiefe zum Gardasee geht. Als wir uns von Süden nähren, ist von diesem Naturschauspiel noch nichts zu erahnen. Wir halten am westlichen Ortseingang auf einem geräumigen Parkplatz und gehen zu Fuß ins Dorf. Pieve hat einen sehr hübschen historischen Ortskern mit aus Naturstein gebauten Häusern. Die Gebäude sind liebevoll restauriert und beherbergen Hotels und einige kleine Geschäfte.

Gardasee   Gardasee
Pieve / Blick zum See

Wir kommen zum Hotel Paradiso, welches unmittelbar  am Felsabbruch gebaut ist. Das Hotel wirbt mit seiner „Terrazze Brivido“ – der Schauderterrasse. Und tatsächlich, die Veranda des Restaurants ist direkt über dem Abgrund gebaut. Man muß jedoch nicht unbedingt im Restaurant des Hotels speisen, um den Abgrund und die Aussicht zu erleben. Gleich neben dem Hotel gibt es eine kleine öffentliche Terrasse. Wir stehen unmittelbar an der Felskante. Direkt vor uns fällt der Fels senkrecht 460 m in die Tiefe ab. Nachdem der erste Anflug von Höhenangst überwunden ist, zieht uns der unvergleichliche Ausblick in seinen Bann.

Gardasee   Gardasee
„Schauderterrasse“ / Aussicht

Wir können das komplette Panorama des mittleren Gardasees überblicken. Am gegenüberliegenden Ufer breitet sich das Monte Baldo Massiv mit seinen begrünten Hängen aus. Direkt gegenüber von Pieve unten am Ufer ist Malcesine mit seiner markanten Scaligerburg zu erkennen. Der einzige Wermutstropfen ist der für den Sommer typische starke Dunst, der das Panorama verschleiert. Das menschliche Auge kann jedoch wesentlich mehr erkennen, als die Fotos vermuten lassen. Nachdem wir uns an dem grandiosen Panorama sattgesehen haben, fällt unser Blick schließlich nach unten. Dort verläuft die Gardesana, auf der nur noch winzig erscheinende Autos fahren. Im blauen Wasser des Sees spiegeln sich die Sonnenstrahlen und einige Boote sind unterwegs.

Gardasee   Gardasee
Gardesana von oben / Abgrund

Auf einem Felsen oberhalb der Schauderterrasse liegt die Pfarrkirche San Giovanni Battista, deren Glocken gerade Mittag schlagen. Die Kirche ist ebenfalls nahe am Abgrund gebaut. Nach einer kurzen Besichtigung des Inneren lassen wir uns ein letztes Mal vom Panorama verzaubern, welches auch vom Kirchplatz aus zu erkennen ist und verlassen dann Pieve.

Für unsere Rückfahrt wählen wir nicht die Straße über die Hochebene von Tremosine, sondern entscheiden uns für die kürzere aber  anspruchsvollere Strecke. Anspruchsvoll ist wirklich nicht übertrieben. Zunächst schlängelt sich die Straße in ein bewaldetes Tal herunter und führt dann durch die sehr enge Brasaschlucht. Wir fahren zwischen zwei Felswänden hindurch, die über der Straße so eng zusammen stehen, daß sie sich fast berühren. Nur ein schmaler Spalt verbleibt in der Mitte. Nachdem wir noch einen Wasserfall passiert haben, wird es dann wirklich abenteuerlich: die extrem schmale Straße windet sich nun in engen Serpentinen direkt zwischen Fels und Abgrund entlang zum Gardasee herunter.

Gardasee   Gardasee
Brasaschlucht / Felsen

Wir fahren durch mehrere in den bloßen Stein gehauene Tunnel. Vor jeder Kurve empfiehlt sich ein beherzter Druck auf die Hupe, um eine Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zu vermeiden. Für Fahranfänger und schwache Nerven ist diese Strecke sicher weniger geeignet. Dafür werden wir aber mit einer bemerkenswerten Aussicht auf den See belohnt.

Gardasee   Gardasee
enge Kurven / kleiner Tunnel

Nördlich von Campione kommen wir schließlich wieder auf die Gardesana Occidentale und  fahren nun in nördlicher Richtung zu unserem nächsten Ziel: Riva del Garda.

Riva liegt im äußersten Nordwesten des Gardasees. Der Gardasee war einst eine wichtige Handelsroute, die die Alpen mit der Poebene verband. So kam Riva aufgrund seiner Lage eine große strategische Bedeutung zu. Entsprechend turbulent verlief auch die Geschichte des Ortes, um den sich die verschiedenen Mächte immer wieder stritten. Von 1815 bis 1918 befand sich Riva unter Österreichischer Herrschaft und dies ist auch heute noch zu spüren. Riva wirkt kühler und mondäner als andere Orte des Sees. Auch die Architektur haben die Österreicher maßgeblich beeinflußt und so umgibt ein Hauch von K. u. K. den Ort, der zusammen mit venezianischen Einflüssen zu einer architektonischen Einheit verschmolzen ist.

Gardasee   Gardasee
Piazza Tre Novembre / Palazzi

Wir beginnen unsere Besichtigung an der Piazza Tre Novembre, dem Herz der Altstadt. Der Platz, wie auch die wuchtigen Palazzi, sind für „Gardaseeverhältnisse“ erstaunlich groß geraten. Arkaden verbinden die Gebäude miteinander. Im Westen begrenzt der 34 Meter hohe Torre Apponale, das Warzeichen Rivas, den Platz. Nach Süden hin öffnet sich die Piazza Tre Novembre zum See.

Gleich neben dem Torre Apponale liegt das Hotel Sole, dessen Tische und Stühle an der Uferpromenade aufgestellt sind. Wir nehmen die Gelegenheit war und essen hier ein ein wenig verspätetes Mittagessen. Von unseren Plätzen aus können wir die Anlegestelle der Linienschiffe beobachten – ein Schnellboot läuft gerade ein.

Nach dem Essen gehen wir die Uferpromenade entlang zur Rocca. Die mächtige Burg ist von einem Wassergraben umgeben und stiller Zeuge der kriegerischen Geschichte Rivas.

Gardasee   Gardasee
Rocca / am Hafen

Neben der Rocca liegt die Spiaggia degli Olivi, einer der Kiesstrände, von denen Riva über mehrere Kilometer verfügt. Aufgrund der günstigen Windverhältnisse im Norden des Gardasees ist Riva bei Surfern und Seglern sehr beliebt, kann jedoch dem benachbarten Torbole den Rang als Wassersportparadies nicht streitig machen. Der Spiaggia degli Olivi vorgelagert ist der durch eine Mole geschützte Sportboothafen von Riva. Hier liegen die vielen weißen Segelboote vertäut und klappern mit ihrer Takelage im Wind.

Wir machen uns auf den Rückweg zum Auto. Ein frischer Wind ist aufgezogen und der Himmel hat sich merklich verdunkelt – es fallen die ersten Regentropfen. Trotz des Wetterumschwungs fahren wir zu unserem letzten Tagesziel, denn hier wird es ohnehin naß: der Wasserfall von Varone.

Das Bergdorf Varone ist 4 Km nördlich von Riva gelegen und der „Cascarta Varone“ ist gut ausgeschildert. Wir bezahlen an der Kasse unseren Eintritt und gehen die Treppen und Wege hinauf, die zu dem Wasserfall führen. Die Wege sind sehr gut ausgebaut und Informationstafeln informieren über die naturwissenschaftlichen Hintergründe. Der Wasser stammt vom 8 Km entfernten Tennosee und sucht sich seinen Weg zum tiefergelegenen Gardasee. Hier bei Varone stürzen die Wassermassen 100 m in die Tiefe. Der Wasserfall verläuft in einer engen Klamm, was ihn zu einem grandiosen Naturschauspiel macht. Da die Klamm aus Kalkstein besteht, frißt sich der Wasserfall immer tiefer ins Gestein. Pro Jahr sind es 4 mm – und das seit 20.000 Jahren.

Gardasee   Gardasee
in der Klamm / Wasserfall

Nun aber genug der Theorie. Wir erreichen die erste Plattform, die „Grotta Inferiore“. Auf einem Steg gehen wir in die Klamm hinein. Das Tosen des Wasser wird immer lauter. Am Ende des Ganges stehen wir dann direkt vor dem Wasserfall und können nach oben in die Klamm hineinschauen. Das Wasser braust von oben heran und sucht sich seinen Weg durch die Kalksteinfelsen, denen es rundliche Formen gab und diese glatt und glänzend schliff.

Gardasee   Gardasee
Grotta Inferiore / Grotta Superior

Wir gehen weiter den Berg hinauf zur nächsten Plattform. Nun wird es in der „Grotta Superiore“ richtig naß. Das Donnern der Wassermassen dröhnt und uns schon von weitem entgegen. Hier ist die Stelle, wo das Wasser in die Klamm eintritt und der Wasserfall beginnt. In der Klamm hüllt uns der Sprühnebel ein. Einigermaßen wasserabweisende Kleidung kann nicht schaden. Die brachiale Naturgewalt, mit der das Wasser unter großem Getöse in die Klamm schließt, ist beeindruckend.

Naß, aber begeistert verlassen wir dann die Cascarta Varone und fahren zurück zum Hotel nach Brenzone. Das Wetter ist wieder gut und wir genießen den Abend auf unserem Balkon mit einem Ausblick auf das schöne Gardaseepanorama.

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2 Kommentare zu "Reisebericht Gardasee 2001: 4. Tag – Pieve – Riva – Wasserfall von Varone"

Kommentar von kati
16. Mai 2008 um 13: 48

Wir haben vor, in 2 Tagen nach Bardolino zu fahren und nachdem ich das gelesen habe, muss ich unbedingt vorschlagen, auch einen solchen Ausflug zum Parco Grotta Cascata Varone zu machen! Ich habe mich bereits über die Preise und Öffnungszeiten informiert, sodass auch alles klappt.. kati

Kommentar von Anonymous
29. August 2009 um 21: 28

Guten Abend,

vielen Dank für die schöne und ausführliche Beschreibung, wirklich sehr nützlich.
MfG
Mira

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