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Reisebericht Gardasee 2001: 3. Tag – Malcesine – Castelletto di Brenzone
Donnerstag, 26. Juli 2001
veröffentlicht in Fotos, Gardasee, Italien, Unterwegs
Übersicht:
1. Tag: Anreise Teil 1
2. Tag: Anreise Teil 2
3. Tag: Malcesine – Castelletto di Brenzone
4. Tag: Pieve – Riva – Wasserfall von Varone
5. Tag: Trento
6. Tag: Albisano – Monte Baldo – Bardolino
7. Tag: Lévico Terme – Caldonazzo See – Gardaland
8. Tag: Mincio – Borghetto – Parco Giardino Sigurtà
9. Tag: Torri del Benaco – Sirmione – Bardolino
10. Tag: Schiffahrt – Limone – Garda
11./12. Tag: Maderno – Salo – Desenzano – Abreise
Um der Mittagshitze und den Besuchermassen zuvor zu kommen, machen wir uns gleich nach dem Frühstück um 8:30 Uhr auf den Weg nach Malcesine. Malcesine liegt einige Kilometer nördlich von Brenzone.
Kurz nachdem ein Schild das „Val di Sogno“ angekündigt hat, befindet sich gleich neben der Uferstraße Gardesana ein kleiner Parkplatz. Da um diese Zeit die Badegäste noch nicht eingetroffen sind, ist es kein Problem unser Auto abzustellen.
Wir finden uns nun direkt vor dem Val di Sogno wieder, dem „Traumtal“. Hierbei handelt es sich um eine dicht mit Zypressen und anderem Grün bewachsene Halbinsel, die aus der Ferne wirklich traumhaft wirkt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß das Areal mittlerweile ziemlich zersiedelt ist und die Anwesen mit Mauern von den Wegen abgetrennt sind. Vom Parkplatz aus führt ein Weg zum Ufer.

Val di Sogno / Weg zum See
Eine Uferpromenade reicht vom Val di Sogno bis zum etwa 1 ½ Km entfernten Ortskern von Malcesine. Die wirklich schöne Uferpromenade führt an mehreren öffentlichen Stränden entlang. Uns bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf das nördliche Ende des Gardasees. Deutlich läßt sich der Felsen ausmachen, der die beiden nördlichsten Orte Riva und Torbole voneinander trennt.

Uferpromenade / Scaligerburg
Wir kommen an Hotelanlagen mit gepflegten, blühenden Gärten vorbei und näheren uns mehr und mehr Malcesine. Der Blick nach Malcesine zeigt ein postkartenreifes Motiv: malerisch thront die Scaligerburg auf ihrem Fels über dem Ort. Darunter dicht gedrängt die ockerfarbenen Häuser des Ortes.
Nachdem wir einen kleinen Hafen mit Sportbooten passiert haben, erreichen wir schließlich die Altstadt von Malcesine, die sich zwischen der Gardesana und dem See erstreckt. Als erstes steuern wir den Hafen an. Das Hafenbecken wird von mittelalterlichen Häusern und Palazzi umrahmt.

Hafen von Malcesine / Gasse der Altstadt
Wir bummeln nun ein wenig durch die gepflegten und gut erhaltenen Gassen der Altstadt. Zwischen den Häusern ist es angenehm schattig. Die Gassen sind mit kleinen Steinen gepflastert, die durch die Abnutzung ein wenig glänzen.
Leider haben sich die zahlreichen Souvenirshops ganz und gar den Touristen angepaßt und bieten vorwiegend ihre obligatorischen Lederhandtaschen und Gürtel an. Der Atmosphäre des Ortes kommt dies nicht gerade zugute.
Die Kirche oberhalb des alten Ortskerns schlägt Mittag und in den Straßen wird es immer voller. Natürlich wollen wir Malcesine nicht verlassen, ohne das Castello Scaligero, die Scaligerburg, besichtigt zu haben. Mit dem Bau der Burg hatten bereits im 6. Jh. die Langobarden begonnen. Im 13 Jh. errichteten dann die Scaliger auf den alten Grundmauern ihre Burg. Die Burgen der einst mächtigen, aus Verona stammenden, Scaliger erstrecken sich fast über das gesamte Ostufer des Gardasees.

Scaligerburg / Zinnen
Die gut erhaltene Scaligeburg von Malcesine gliedert sich in drei ummauerte Höfe, die durch ein komplexes System aus Treppen und Gängen miteinander verbunden sind. Auf den Außenmauern befinden sich die für Scaligerburgen so typischen Schwalbenschwanzzinnen. Von den Burgmauern aus bieten sich uns immer wieder schöne Ausblicke auf den See mit seinem grünblau schimmernden Wasser.

Panoramabild »Malcesine«
Als erstes wollen wir den 33 Meter hohen fünfeckigen Bergfried erklimmen. Die Schießscharten offenbaren, wie dick doch die Mauern sind. Durch eine kleine Luke gelangen wir dann auf die obere Plattform. Da die Burg auf einem Felsen gebaut ist, befinden wir uns nun in mehr als 70 Metern Höhe über dem See. Der Ausblick aus dieser Höhe ist natürlich hervorragend und reicht weiter über den Gardasee. Wir blicken vom mit Zypressen bewachsenen Val di Sogno über die dicht gedrängten Dächer der verwinkelten Altstadt Malcesines, bis hin zum nödlichen Teil des Sees. Auch die Häuser des Ortes Pieve auf der anderen Uferseite, die in schwindelerregender Höhe über einer Felswand liegen, lassen sich ausmachen.

Blick vom Bergfried / Aussicht nach Norden
In der Scaligerburg von Malcesine sind zwei Museen untergebracht: ein Naturkundemuseum (Museo del Baldo et del Garda) das Goethemuseum. Ebenso wie die bronzene Büste im Hof der Burg, wird im Goethemuseum mit Texten und Zeichnungen an den Dichter Johann Wolfgang von Goethe erinnert, der aufgrund eines Mißverständnisses während seiner Italienreise beinahe in Malcesine verhaftet worden wäre: er wurde für einen Spion gehalten, da er die Scaligerburg zeichnete. Sehr interessant ist das Naturkundemuseum. Hier werden Exponate vom Gardasee und der Monte Baldo – Region gezeigt. Es gibt präparierte Tiere des Gardasees, dreidimensionale tektonische Ansichten und historische Werkgegenstände, wie einen Transportschlitten oder eine Olivenölpresse, zu sehen. Leider haben nur wenige Besucher der Burg den Weg in die Museumsräume gefunden, denn ein Besuch lohnt sich wirklich.

Transportschlitten / Olivenölpresse
Die Mittagshitze erreicht nun allmählich mit 34 °C im Schatten ihren Höhepunkt. Wir verlassen die Burg und kaufen in einem Supermercado neue Getränke. Dann gehen wir über die schöne Uferpromenade zurück zum Auto. Die Strände haben sich mittlerweile gefüllt. Zurück an unserem Hotel überbrücken auch wir die heißeste Zeit des Tages am Wasser. Ein erfrischendes Bad ist jetzt das einzig Richtige.
Gegen 16:00 Uhr brechen wir dann erneut auf. Unser Ziel ist der nahegelegen Ort Castelletto di Brenzone. Hier finden wir einen kleinen Hafen vor, gesäumt von einigen Cafés und Restaurants. Ein Angler versucht sein Glück auf der Kaimauer, ein alter Mann tuckert gerade mit einem kleinen Boot auf den See hinaus, ein modernes Sportboot läuft in den Hafen ein. Wir betrachten eine Weile das Geschehen und gehen dann herüber zum alten Ortskern von Castelletto. Hierzu müssen wir die Uferstraße überqueren, denn mit den anderen Ortschaften der Gemeinde Brenzone teilt Castelletto das Schicksal, von der vielbefahrenen Gardesana durchschnitten zu sein. Wir finden einen Wegweiser mit der Aufschrift “Biazza”. Dieses kleine Dorf soll das Ziel unserer kurzen Wanderung sein.

Hafen von Castelletto / kleines Boot
Nachdem der Hafenbereich Castellettos noch touristisch geprägt war, spürt man im alten Ortskern noch deutlich die Atmosphäre des ehemaligen Fischer- und Bauerndorfes. Ruhig und verträumt liegen sie da, die grau verputzen, aus Naturstein gebauten, Häuser. Mit viel Blumenpracht sind die Fassaden, Fenster und Balkone geschmückt. Verschiedene Häuser sollen noch aus dem 16. Jh. stammen. Mit kleinen Steinen gepflasterte Gassen führen steil den Hang des Monte Baldo Massivs hinauf. Vereinzelt dringen Stimmen aus den Häusern nach draußen, sonst ist es still.

im alten Ortskern / kleiner Innenhof
Wir gehen immer weiter den steil ansteigenden Hang hinauf. Schließlich haben wir das obere Ende des Ortes erreicht. Hier breiten sich so weit das Auge reicht Olivenhaine beträchtlicher Größe aus. Die Olivenbäume wurden einst von den Römern an den Gardasee gebracht und sicherten über Jahrhunderte die Existenz der Bauern. Auch heute werden die Olivenhaine noch bewirtschaftet, auch wenn der Tourismus längst die wichtigste Einnahmequelle der Menschen am Gardasee geworden ist.

junge Oliven / Blick herunter zum See
Eine Straße führt nun immer am Hang inmitten von blaßgrünen Olivenbäumen entlang. Zwischen den Wipfeln der kleinen, knorrigen Bäume schimmert der blaue Gardasee. Die Oliven, die größtenteils zu selbigen Öl verarbeitet werden, sind noch klein, grün und unreif.
Nach insgesamt 20 Minuten erreichen wir dann das Ziel unserer kleinen Wanderung: Biazza. Das romantisch anmutende kleine Dorf wurde auf den Überresten einer alten Scaligerburg errichtet. Die wenigen ineinander verschachtelten Häuser, die das Dorf bilden, sind aus grobem Naturstein errichtet. Wir lassen uns von dem etwas morbide wirkenden Biazza verzaubern und gehen ein wenig zwischen den Häusern umher. Eine Gasse ist von einem Haus wie zu einem Tunnel überbaut. Unter der Decke hängen Steigleitern, die zur Ernte der Oliven verwendet werden. Olivenbäume umgeben das Dorf wie ein Meer.

Biazza / umgeben von Oliven
Wir gehen zurück herunter nach Castelletto. Als wir dann wieder am Hotel sind ist es 18:00 Uhr. Nach einem erfrischenden Bad im See folgt das Abendessen.
Wie wir bei unserem Besuch in Malcesine an einem Aushang lasen, findet heute am 26. Juli ein Seefeuerwerk zu Ehren der Heiligen Benignus und Carus statt. Dies wollen wir natürlich nicht versäumen und brechen gegen 22:15 Uhr noch einmal nach Malcesine auf. Wir stellen das Auto in einem Parkhaus oberhalb der Gardesana ab und halten so sehr zentral.
Die Gassen Malcesines sind stimmungsvoll beleuchtet. Am Hafen haben die Restaurants und Bars ihre Tische aufgestellt und sind bereits gut besucht. Vereinzelt verlassen Boote den Hafen. Wir stehen auf dem Anleger, wo tagsüber die Linienschiffe festmachen und warten.

Abend am Hafen / Essen mit Ausblick
Dann geht es endlich los. Die Raketen werden in der nähe des Val di Sogno wohl von einem Boot oder Ponton aus abgeschossen. Auf dem Steg haben wir praktisch einen Logenplatz. Wir erleben ein großartiges und lang andauerndes Feuerwerk, welches sich effektvoll im Wasser des nächtlichen Sees spiegelt. Besonders beeindruckend ist die Akustik, da das Knallen der Feuerwerkskörper mit einiger Verzögerung von den umliegenden Felswänden des Sees wiederhallt. Um 0:30 Uhr verlassen wir dann Malcesine.
Feuerwerk / effektvoll
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