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Reisebericht Gardasee 1999: 6. Tag – Sirmione
Mittwoch, 28. Juli 1999
veröffentlicht in Fotos, Gardasee, Italien, Unterwegs
Übersicht:
1. Tag: Anreise Teil 1
2. Tag: Anreise Teil 2
3. Tag: Torri del Benaco / Brenzone
4. Tag: Schiffahrt / Torbole
5. Tag: Monte Baldo
6. Tag: Sirmione
7. Tag: Venedig
8. Tag: Westufer
9. Tag: Verona
10. Tag: Abreise
Heute machen wir einen Ausflug nach Sirmione im Süden der Insel. Auf der Höhe vom Freizeitpark Gardaland staut sich der Verkehr, aber sonst geht es zügig voran. Das Wetter ist heute ein wenig bedeckt und etwas frischer als in den letzten Tagen.
Der Ort Sirmione liegt auf einer kleinen Halbinsel, die durch einen etwa 3 Kilometer langen und sehr schmalen Landstreifen mit dem Ufer verbunden ist. Wir fahren von Colombare aus dieses schmale Stück entlang. Rechts und links der Straße gibt es eine Vielzahl von Hotels, Ferienwohnungen und Villen. Kurz vor Sirmione befindet sich auf der rechten Seite ein großer Parkplatz den wir anfahren, denn der Kurort Sirmione ist autofreie Zone. Die Parkgebühren sind sehr hoch: umgerechnet 10 DM für 3 Stunden. Wir gehen am Uferweg entlang zum Ortskern. An der Ufermauer haben viele kleine Motorboote festgemacht, deren Fahrer Rundfahrten um die Insel herum anpreisen.

Sirmione / Scaligerburg
Wir gehen jedoch weiter zur Scaligerburg, welche sich gleich im Süden am Ortseingang befindet. Die Burg fällt einem sofort ins Auge. Es handelt sich um die am besten erhaltene Burg der Scaliger überhaupt. Von außen her besticht das Gebäude durch die verschieden hohen Türme und die Schwalbenschwanzzinnen. Das Kastell sieht fast aus wie ein kleines Schloß. Dieser Eindruck ändert sich jedoch schlagartig, sobald man das Innere betritt. Hier herrscht das graue Mittelalter. Der rechteckige Innenhof ist umgeben von den massiven Mauern. Wehrgänge verbinden die Ecktürme. Überragt wird alles von einem 47 Meter hohen Turm, Mastio genannt. Wir steigen zunächst die Treppen zu den Wehrgängen hinauf. Hinter den Zinnen entlag geht es dann weiter auf den Mastio. Von dort aus haben wir eine herrliche Aussicht auf Sirmione und die tiefer gelegenen Teile der Burg. Erst hier wird deutlich, daß es sich um eine Wasserburg handelt. Nach Osten hin grenzt sie direkt an den See und ist zu den anderen Seiten hin von einem Graben umgeben. Es gibt auch einen kleinen von Mauern mit Zinnen umgebenen Hafen, der einmal der Versorgung und Verteidigung der Burg diente. Alles ist noch vollständig erhalten. Wir lassen unseren Blick schweifen. Im Süden ist der lange schmale Teil der Halbinsel zu sehen, der auf das Ufer von Colombare zuläuft. Im Norden sind ist das Zentrum von Sirmione und dahinter der hügelige und dicht mit Zypressen und anderen Bäumen bewachsene Teil der breiten nördlichen Spitze.

in der Burg / befestigter Hafen der Burg

Hafen der Burg / Sirmione
Blick Richtung Süden
Wir setzen unseren Weg durch die schmalen Gassen des Städtchens fort. Überfüllt wäre eigentlich noch untertrieben, um das Gedränge hier zu beschreiben. Wer den Ort in Ruhe genießen will, der sollte wohl besser im Winter hierher kommen. Cafés, Souvenirshops und andere Geschäfte reihen sich aneinander. Leider ist es hier extrem teuer. Wir gehen weiter zum Thermalbad. Hier ist vom Trubel der Innenstadt schon nichts mehr zu spüren. Das moderne Thermalbad und Therapiezentrum "Terme di Catullo" befindet sich in einem zweckmäßigen Gebäude, dem ein kleiner Park vorgelagert ist.

Thermalbad
Die Heilquelle (70°C), Boiola genannt, entspringt 300 Meter vom Ufer entfernt im Gardasee in etwa 17 Meter Tiefe. Schon die Römer nutzten die Heilquelle, die zur Behandlung gegen Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten eingesetzt wird. Im Mittelalter geriet die Quelle jedoch in Vergessenheit und wurde erst 1889 wieder von Tauchern gefaßt und an Land geleitet.
Als letztes steht die "Grotte des Catullo" auf dem Programm. Hierbei handelt es sich um eine weit ausgedehnte römische Ruinenanlage, die sich auf einem Hügel der Halbinsel befindet. Wer nicht zu Fuß auf den Hügel gehen möchte, kann auch mit einer kleinen Bimmelbahn vom Thermalbad bis hinauf zu den Ruinen fahren.
Oben angekommen bezahlen wir den Eintritt und beginnen mit der Besichtigung. Seit 1939 finden hier archäologische Ausgrabungen statt. Bisher wurde ein Gebiet von 20 000 qm erforscht und die Ruinen freigelegt. Es handelt sich um eine römische Villa aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Chr.. Den Namen " Grotte des Catullo" erhielt die Anlage aufgrund der gewaltigen Gewölbe des Gebäudekomplexes und dem Dichter Catullo, der vor dem Bau der Villa nach Sirmione kam und einige seiner Werke der Halbinsel widmete. Noch heute bekommt man beim Durchwandern der Ausgrabungen einen Eindruck von der Blütezeit Sirmiones zur Zeit der Römer. Die römischen Villa war vermutlich ein Gästehaus des römischen Staates mit Thermalbad. Schon die Römer verstanden es in Bleirohren die Boiola-Quelle zu fassen und in ein Thermalbad zu leiten.

Ausgrabungen der "Grotten des Catullo"

"Grotten des Catullo"
Wir gehen durch die einzelnen Bereiche der Ausgrabung. Es gibt lange Gänge und Säulenreihen. Einzelne Räume und Reste von Mosaikfußboden lassen sich ausmachen. Noch ist nicht alles freigelegt. Besonders beeindruckend aber ist die Aussicht auf den See. An den Seiten der Anlage fallen die Felsen steil zum See hin ab. Das Wasser des Gardasees hat hier eine grünliche Farbe. Wir können sogar sehen, wo sich die Boiola-Quelle befindet: Mehrere kleine Motorboote verharren an dieser Stelle, etwa 300 Meter vor dem Ufer, um den Touristen an Bord die Quelle zu zeigen. Wir umrunden die Ruinen und kommen durch einen kleinen Olivenhain zum Museum der Anlage. In dem noch neuen Museum werden noch einmal alle Details zu den Ausgrabungen auf Schautafeln und in Modellen erklärt. Auch werden hier besondere Ausgrabungsstücke ausgestellt: Reste von Fresken, Vasen, Krüge, Säulen, Schmuck und andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Ein Besuch des Museums ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Reste von Malereien

Gefäß / Münzen
Auf unserm Rückweg gehen wir am Badestrand von Sirmione entlang. Der Kieselstrand ist unterhab des Hügels der "Grotten des Catullo" gelegen. Als wir unser Auto erreichen, hat sich das Wetter merklich verschlechtert und es beginnt zu regnen.
Als nächstes steht das südlich von Peschiera gelegene Minciogebiet auf dem Programm. Wir fahren zunächst bis Peschiera und biegen dann in Richtung Süden ab. Die Moränenlandschaft die im Osten vom Minciofluß begrenzt wird, erinnert ein wenig an die Toskana. Das Gebiet ist vor allem für seinen Wein bekannt. Die Straße führt ein Stück am Flußverlauf entlang. An Aussteigen ist leider nicht zu denken, denn inzwischen geht ein Unwetter mit Gewitter und starken Regenschauern nieder. So können wir die Schönheit dieses Gebietes nur erahnen. Wir fahren bis Valeggio s. Mincio in südicher Richtung, überqueren dann den Mincio und fahren über Monzambano zurück nach Peschiera. Teile der Straße sind inzwischen durch den starken Regen überschwemmt und Feldwege haben sich in Bäche verwandelt.

Unwetter im Minciogebiet
Über Peschiera fahren wir dann auch gleich zurück zu unserem Hotel in Brenzone. Es regnet noch immer und wir verbringen den restlichen Nachmittag im Hotel.
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